Der Patient „Emissionshandel“ schwächelt

Ein kurzer Bericht zur aktuellen Situation des bedeutendsten Klimaschutzinstruments

Das weltweit größte Emissionshandelssystem startete 2005 mit dem Ziel, die Treibhausgasreduktionsziele der EU kosteneffizient, also möglichst günstig, zu erreichen. Emissionsminderungen werden dort umgesetzt, wo das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen am besten ist. Außerdem sollen die CO2-Preise Investitionen in Richtung „grün“ lenken. Soweit die Theorie. Doch die aktuellen Preise von unter 7 EUR je Tonne CO2, lassen diese Lenkungswirkung bezweifeln. Wer ist schuld? Wirtschaftskrise und Unsicherheiten über die Zukunft der internationalen Klimapolitik.

Hinzu kommen die Energieeffizienzziele, die den Energieverbrauch und damit die CO2-Emissionen senken. Energieminister und EU-Kommissare wollen daher in den CO2-Markt eingreifen. Von „Backloading“ und „Set-Aside“ ist die Rede. Dabei sollen CO2-Zertifikate dem Markt zunächst vorenthalten oder sogar ganz entzogen werden, um den Preis zu stützen. Über die Rechtmäßigkeit wird gestritten. Marktakteure reagieren abwartend.

In der Zwischenzeit hat der weltweite CO2-Ausstoß einen neuen Rekord aufgestellt: 34 Milliarden Tonnen. Die entwickelten OECD-Staaten sind nur noch für ein Drittel der Emissionen verantwortlich. Die Schwellenländer China und Indien verursachen gemeinsam ein Drittel.

Bleibt also zu hoffen, dass die EU ihr System vorbildlich reformieren und einen Anstoß an die internationalen Klimaverhandlungen liefern kann. Denn in vier Monaten ist schon wieder Dezember. Und da ist nicht nur Weihnachten sondern auch COP18 – die 18. UN-Klimakonferenz, dieses Mal in Katar, dem Land mit den höchsten pro-Kopf-CO2-Emissionen.

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